Ein fester Termin im Kalender der dritten Klassen
Jeden zweiten Mittwoch verwandelt sich die Bibliothek der NMS Brüsslgasse für 90 Minuten in einen ruhigen Arbeitsraum. Sechs Schüler:innen der dritten Klassen sitzen im Halbkreis, vor sich Karten mit Begriffen wie „Ausdauer“, „Teamfähigkeit“ und „genaues Zuhören“. Es geht nicht um Noten, sondern um die Frage, was jede und jeder schon kann. Holly Win ist ein freiwilliges Mentoring-Format, das genau hier ansetzt: bei den kleinen Fähigkeiten, die im Schulalltag oft untergehen. Das Format läuft seit dem Schuljahr 2022/23 und wird von zwei Lehrpersonen sowie wechselnden Peer-Mentor:innen begleitet.
Vom Stärkencheck zum machbaren Schritt
Der Ablauf ist bewusst schlicht. Nach einem kurzen Check-in nennt jede Person eine Situation aus der Woche, die gut gelaufen ist. Danach wählen die Jugendlichen eine Stärke, die sie in den nächsten Tagen sichtbar einsetzen wollen. Eine Schülerin nimmt sich vor, im Unterricht eine Frage zu stellen, statt zu schweigen; ein Schüler will sein Bewerbungsblatt für ein Ferialpraktikum überarbeiten. Die Lehrpersonen moderieren, geben aber keine fertigen Lösungen vor. Die Runde bleibt bewusst klein, damit jede Person zu Wort kommt und niemand nur zuschaut. Ältere Peer-Mentor:innen aus der vierten Klasse ergänzen die Runde und berichten, wie sie ähnliche Situationen gemeistert haben. Wer mehr über das schulische Umfeld und die beteiligten Klassen erfahren möchte, findet auf der Seite der Schule weitere Einblicke in Holly Win und verwandte Projekte.
Was nach zwölf Wochen anders ist
Am Ende eines Durchgangs steht keine Prüfung, sondern eine kurze Reflexion. Die Rückmeldungen aus dem Kollegium sind konkret: Mehrere Jugendliche melden sich im Unterricht häufiger zu Wort, andere haben erstmals von sich aus einen Termin in der Beratung vereinbart. Entscheidend ist nicht die große Geste, sondern die Wiederholung. Wer jede Woche einen kleinen Schritt plant und darüber spricht, entwickelt eine Sprache für eigene Fähigkeiten. Genau das macht den Unterschied zwischen einem einmaligen Workshop und einem Format wie Holly Win. Eine Auswertung im kleinen Rahmen zeigt: Die Teilnahmezahl bleibt bewusst begrenzt, damit Vertraulichkeit und Verbindlichkeit erhalten bleiben.
FAQ: Fragen, die Eltern und Schüler:innen oft stellen
Wer kann teilnehmen?
Das Angebot richtet sich an die dritten und vierten Klassen. Die Anmeldung ist freiwillig und erfolgt über die Klassenvorstände; pro Durchgang werden höchstens sechs Plätze vergeben.
Ist Holly Win eine Therapie oder Nachhilfe?
Nein. Es handelt sich um schulisches Mentoring mit Fokus auf Stärken, Selbstorganisation und Berufsorientierung. Fachliche Lücken werden nicht gezielt aufbereitet.
Muss ich vorher etwas vorbereiten?
Nein. Ein Notizheft und die Bereitschaft, ehrlich über die eigene Woche zu sprechen, reichen aus. Alles andere entsteht im Gespräch.
Wie wird der Erfolg gemessen?
Nicht mit Noten. Die Teilnehmenden reflektieren am Ende jedes Blocks, welche Schritte sie umgesetzt haben. Die Lehrpersonen beobachten zusätzlich, ob sich Beteiligung und Selbstständigkeit im Schulalltag verändern.